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Plettenberg – Super Nachbarn zu haben, ist für Steffen Fuhrich und Markus Laurenz keine Selbstverständlichkeit. Umso mehr freut es die beiden Plettenberger, dass sie sich so gut verstehen und so viele gemeinsame Hobbys teilen. Das nachbarschaftliche Verhältnis ist so super, dass die beiden kurzerhand den Zaun zwischen beiden Grundstücken abgerissen haben.

Eigentlich kennen sich Steffen Fuhrich (56 Jahre) und der 54-jährige Markus Laurenz schon ihr ganzes Leben lang, auch ihre Eltern kannten sich bereits. Als Kinder trafen sich Fuhrich und Laurenz im Schulbus, der von Landemert durch das Grünetal zur Martin-Luther-Schule fuhr. Über die Jahre lief man sich regelmäßig auch in der Kirche und auf Schützenfesten immer wieder über den Weg.

Beim Einzug wurden gleich die alten Zaunreste beseitigt

„Aber wir haben uns zwischendurch, außer auf Schützenfesten, immer mal längere Zeit nicht gesehen“, erzählt Fuhrich. Ein erstes überraschendes Treffen gab es vor etwa 20 Jahren bei der Einschulung der eigenen Kinder. „Was machst du denn hier?“ begrüßten sie sich und stellten fest: „Unsere Kinder gehen in die gleiche Schule wie wir und in den gleichen Klassenraum“, erzählt Steffen Fuhrich. Selbst bei einigen Lehrern ihrer Kinder hätten sie selbst schon Unterricht gehabt. Doch die Grundschulzeit der eigenen Kinder liegt schon lange zurück, man verlor sich wieder ein wenig aus den Augen. Dass sie sich dann vor sechs Jahren als Nachbarn wiedertreffen sollten, war reiner Zufall.

Damit habe keiner von beiden gerechnet. „Markus ist eigentlich Landemerter durch und durch“, sagt Fuhrich, der selbst fest im Grünetal verwurzelt ist. Sein Haus am Wieckmerther Weg steht direkt neben seinem Geburtshaus, weiter ist er nicht weggezogen. Laurenz dagegen fasste vor sechs Jahren den Entschluss, aus Landemert wegzuziehen.

Das Haus, das Laurenz zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn erwerben wollte, befand sich In der Bermke, direkt oberhalb von Fuhrichs Haus. „Wir sind hingefahren und haben es uns angeschaut und beschlossen: das kaufen wir“, erzählt Laurenz. „Und dann haben wir die Fuhrichs gleich mitgekauft.“

Man habe sich direkt hinterm Haus getroffen. Steffen Fuhrich fragte direkt, was mit den Resten des alten Zauns vom Vorbesitzer geschehen sollte. Mit diesem habe er sich zwar auch gut verstanden, betont Fuhrich, aber das sei eben ein anderer Typ gewesen: Ein Zaun an der Grundstücksgrenze musste da schon sein.

Fuhrich und Laurenz wollten es anders halten. Die Konstruktion mit den einbetonierten Zaunpfählen befand sich in einem völlig maroden Zustand. Ein neuer Zaun sollte nicht auf die Grenze und auch keine Hecke, erinnert sich Laurenz: „Steffen hat gesagt: Wenn ich mal rüberkomme, um ein Bier zu trinken, möchte ich nicht über’n Zaun klettern. Wir lassen alles offen. Auf gute Nachbarschaft.“ Vom Zaun blieben nur die Betonfundamente übrig.

Spontan bei Aktion mitgemacht

Diese Geschichte war dann auch der Grund für Steffen Fuhrich, seinen Nachbarn bei der Aktion „Super-Nachbar“ zu nominieren. Der Einfall sei ihm spontan gekommen, als er in der Zeitung von der Aktion erfuhr, sagt er: „Manchmal muss man so was direkt machen und nicht lange drüber nachdenken.“

Von seinem Glück und dem Gewinn von zwei Kästen mit „Pülleken“ sowie Gläsern und T-Shirts erfuhr Laurenz erst vor wenigen Tagen, freute sich aber umso mehr über die Überraschung. Die passe gut zu ihnen. „Unser größtes gemeinsames Hobby ist die Geselligkeit und das gemeinsame Feiern“, so Markus Laurenz.

Tauschhandel über die imaginäre Grenze

Auch wenn die Grenze nicht mehr sichtbar ist, zusammengelegt haben die Familien ihre jeweils gut 1000 Quadratmeter großen Gärten nicht, jede Familie hat ihren Bereich. Aber man besucht sich gegenseitig über die imaginäre Grenze und teilt vieles miteinander, vor allem Naturalien. „Es hat sich ein reger Tauschhandel entwickelt – wie in der Steinzeit“, sagt Fuhrich, der als passionierter Hobbygärtner mehr Gemüse und Obst erntet, als er selbst verbrauchen kann. Salat und Gurken aus dem eigenen Gewächshaus, dazu die Früchte der vielen Obstbäume und -sträucher. An die 20 Obstsorten baut Fuhrich an, darunter Äpfel, Birnen, Aprikosen, und selbst exotische Mini-Kiwis, die allerdings nicht in jedem Jahr Früchte tragen. Für ausreichend Bewässerung sorgen die Nachbarn gemeinsam, fangen das Regenwasser auf den Partyhütten in den jeweiligen Gärten auf und leiten es in einen 1000-Liter-Tank, mit dem die Pflanzen bewässert werden.

Besonders reich fiel in diesem Jahr die Kirschernte aus. „Wir haben in diesem Jahr eimerweise Süßkirschen geerntet“, erzählt Fuhrich. Ein Teil wurde zu Schnaps verarbeitet. „Wir setzen beide Schnäpse an, meistens aus selbstgesammeltem Obst“, erzählt Laurenz. „Da wird dann ausgiebig probiert, wer den besten hat.“ Neben Obst, Gemüse und Schnäpsen werden auch Forellen geteilt, die Laurenz in seinem Garten räuchert.

Nachbarn verbinden viele gemeinsame Hobbys

Ein gemeinsames Hobby der beiden ist das Angeln. Laurenz ist Mitglied der Sportanglervereinigung des Oestertales, Fuhrich bei den Plettenberger Maipieren. Noch stärker verbindet sie aber das Schützenwesen. Steffen Fuhrich ist 1. Vorsitzender des Schützenvereins Grünetal, Markus Laurenz ist Mitglied in gleich vier Vereinen.

Er ist Biergerichtspräsident des Schützenvereins Landemert und außerdem in der PSG, bei den Sundheller und den Grünetaler Schützen aktiv. Insgesamt elf abgeschossene Vögel zieren Laurenz’ Partyhütte, einer von ihm selbst, die anderen von seinen Söhnen. „Das Schützenwesen wurde uns beiden in die Wiege mitgegeben“, sagt Laurenz. „Wir sind beide Vereinsmeier“, ergänzt Fuhrich. Diese Bezeichnung sehe er sehr positiv. „Wenn alle ehrenamtlich im Verein aktiv wären, ginge es allen besser.“ Laurenz ergänzt: „Wenn alle ein bisschen machen, ist es im Ergebnis viel.“

Sich untereinander zu helfen, ist für die beiden selbstverständlich. Steffen Fuhrich schätzt an seinem Nachbarn besonders dessen Hilfsbereitschaft: „Man kann ihn nachts anrufen und dann hilft er.“ Und umgekehrt? „Seine direkte ehrliche Art schätze ich am meisten“, sagt Laurenz.

Etwas zu benennen, was sie aneinander stört, fällt ihnen wesentlich schwerer. „Mich stört, dass er Bayern-Fan ist“, stichelt Fuhrich. Laurenz frotzelt gleich zurück: „Das sagt der Gladbacher.“ Und er ergänzt: „Mich stört, dass er so oft im Urlaub ist, weil dann das nachbarschaftliche Verhältnis unterbrochen ist.“ Was eigentlich auch eher ein Kompliment ist.

Zu den vielen gemeinsamen Aktivitäten der beiden könnte bald noch ein weiteres Hobby hinzukommen, wenn sie sich mit diesem Wunsch durchsetzen können. „Wir hätten gerne noch ein gemeinsames Hobby, aber von der Idee sind unsere Frauen nicht so begeistert“, sagt Laurenz. „Wir würden gerne einen gemeinsamen Hühnerstall auf die Grenze bauen.“ Da seien die Verhandlungen mit den Ehefrauen aber noch nicht beendet.

So machen Sie bei unserer Aktion mit

Erzählen Sie uns, warum Ihre Nachbarn so besonders sind. In Zusammenarbeit mit Hellweg Radio und Veltins vergeben wir Preise an die besten Nachbarn – mehrere Kästen „Pülleken“ und passende Gläser – mit denen Sie Ihre Nachbarschaft feiern können. Unsere Reporter besuchen Sie, um über Ihre besondere Nachbarschaft in unserer Zeitung zu berichten.